Solarthermie oder Photovoltaik: Der Vergleich
Veröffentlicht am 14.10.2026
Wer eine Dachfläche besitzt und überlegt, wie sich die Sonne am besten nutzen lässt, stößt fast zwangsläufig auf zwei Begriffe: Solarthermie und Photovoltaik. Beide Systeme sammeln Sonnenenergie, verwenden sie aber für völlig unterschiedliche Zwecke. Solarthermie erzeugt Wärme, Photovoltaik erzeugt Strom. Diese Unterscheidung klingt einfach, hat aber weitreichende Folgen für Kosten, Nutzen und die Frage, welches System zu Ihrem Haus passt.
In diesem Ratgeber erklären wir, wie beide Technologien funktionieren, was sie kosten, wie sich die Wirtschaftlichkeit unterscheidet und welche Rolle der gesetzliche Rahmen seit 2026 spielt. Am Ende steht keine pauschale Empfehlung, sondern eine Orientierungshilfe, damit Sie mit konkreten Fragen in Beratungsgespräche gehen können.
Wie funktioniert Solarthermie?
Solarthermische Anlagen bestehen aus Kollektoren auf dem Dach, durch die eine Trägerflüssigkeit fließt. Diese Flüssigkeit nimmt die Wärme der Sonneneinstrahlung auf und transportiert sie zu einem Wärmetauscher im Speicher. Von dort gelangt die Wärme ins Trinkwasser oder unterstützt die Heizung. Eine reine Warmwasseranlage deckt je nach Standort und Gebäude einen erheblichen Teil des jährlichen Warmwasserbedarfs, eine heizungsunterstützende Anlage liefert zusätzlich einen Beitrag zur Raumheizung, vor allem in den Übergangsmonaten.
Bei den Kollektoren unterscheidet man im Wesentlichen zwischen Flachkollektoren und Röhrenkollektoren. Flachkollektoren sind robuster und günstiger, Röhrenkollektoren erzielen bei flacher Sonneneinstrahlung und niedrigen Außentemperaturen einen höheren Wirkungsgrad, sind dafür aber in der Anschaffung teurer. Welche Variante sinnvoll ist, hängt von Dachausrichtung, Platzangebot und dem geplanten Einsatzzweck ab.
Wie funktioniert Photovoltaik?
Photovoltaikmodule bestehen aus Solarzellen, die Sonnenlicht direkt in elektrischen Gleichstrom umwandeln. Ein Wechselrichter macht aus diesem Gleichstrom nutzbaren Wechselstrom, der im Haushalt verbraucht, in einem Batteriespeicher zwischengespeichert oder ins öffentliche Netz eingespeist wird. Anders als Solarthermie liefert eine PV-Anlage also keine Wärme, sondern elektrische Energie, die sich vielseitig einsetzen lässt: für Haushaltsgeräte, eine Wärmepumpe, eine Wallbox fürs Elektroauto oder klassische Beleuchtung.
Ein Batteriespeicher erhöht den Anteil des selbst verbrauchten Solarstroms, da überschüssige Energie aus Mittagsstunden für den Abend gespeichert werden kann. Ohne Speicher wird der nicht direkt genutzte Strom ins Netz eingespeist, wofür eine Vergütung gezahlt wird. Wie hoch diese Vergütung aktuell ausfällt und wie sich Eigenverbrauch und Einspeisung wirtschaftlich zueinander verhalten, sollte im konkreten Angebot eines Fachbetriebs durchgerechnet werden.
Kosten im Vergleich
- Solarthermie für reine Warmwasserbereitung: je nach Kollektorfläche, Speichergröße und Gebäudeart meist im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich.
- Solarthermie mit Heizungsunterstützung: je nach Kollektortyp, Speichervolumen und Einbindung ins bestehende Heizsystem deutlich höher, oft im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich.
- Photovoltaik ohne Speicher: die Kosten pro installiertem Kilowatt Peak schwanken je nach Modultyp, Montagesystem und Dachgegebenheiten erheblich.
- Photovoltaik mit Batteriespeicher: der Speicher selbst macht je nach Kapazität und Technologie einen spürbaren Teil der Gesamtinvestition aus.
Diese Spannen dienen nur der groben Orientierung. Die tatsächlichen Kosten hängen von Dachform, Statik, Entfernung zum Technikraum, regionalen Handwerkerpreisen und vielen weiteren Faktoren ab. Verlässliche Zahlen liefert ausschließlich ein Vergleich mehrerer Angebote von Fachbetrieben vor Ort, der auch die individuellen baulichen Gegebenheiten berücksichtigt.
Wirtschaftlichkeit und Ertrag
Die Wirtschaftlichkeit einer Solarthermieanlage hängt stark vom bisherigen Energieträger ab. Wer bislang mit Öl oder Gas heizt und die Preise für diese Brennstoffe steigen sieht, profitiert stärker von einer solarthermischen Einsparung als jemand mit bereits günstiger Wärmeversorgung. Die eingesparte Energiemenge lässt sich relativ gut abschätzen, da der Wärmebedarf eines Haushalts über das Jahr recht konstant verläuft.
Bei Photovoltaik entscheidet vor allem der Eigenverbrauchsanteil über die Wirtschaftlichkeit. Je mehr selbst erzeugter Strom direkt im Haus verbraucht wird, desto größer die Ersparnis gegenüber dem Netzstrombezug. Haushalte mit Wärmepumpe, Elektroauto oder hohem Grundverbrauch tagsüber erreichen in der Regel höhere Eigenverbrauchsquoten als Haushalte, die tagsüber kaum zu Hause sind. Ein Speicher kann diesen Anteil erhöhen, verlängert aber auch die Amortisationszeit durch die zusätzlichen Investitionskosten.
Eine pauschale Aussage, welches System sich schneller rechnet, lässt sich nicht treffen. Strompreise, Heizkosten, Gebäudezustand und individuelles Verbrauchsverhalten wirken zusammen. Ein unabhängiger Energieberater oder ein Fachbetrieb kann anhand Ihrer tatsächlichen Verbrauchsdaten eine realistische Wirtschaftlichkeitsrechnung erstellen.
Platzbedarf und Kombination auf dem Dach
Beide Systeme beanspruchen Dachfläche, konkurrieren also grundsätzlich um denselben Platz. Eine solarthermische Anlage zur Warmwasserbereitung benötigt für einen durchschnittlichen Haushalt meist nur wenige Quadratmeter, eine heizungsunterstützende Anlage entsprechend mehr. Eine Photovoltaikanlage nutzt die Dachfläche effizienter aus, je größer die Fläche ist, desto mehr Strom lässt sich erzeugen.
Auf größeren Dächern lassen sich beide Technologien kombinieren: ein Teil der Fläche für Solarthermie, der Rest für Photovoltaik. Das ist vor allem dann interessant, wenn sowohl der Wärme- als auch der Strombedarf gedeckt werden sollen und genügend Fläche mit guter Südausrichtung vorhanden ist. Bei begrenzter Dachfläche und ungünstiger Ausrichtung muss hingegen abgewogen werden, welche Energieform im eigenen Haushalt den größeren Nutzen bringt.
Förderung und gesetzlicher Rahmen
Seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, das die bisherigen Regelungen zum Heizungstausch neu geordnet hat. Eine pauschale Pflicht, beim Einbau einer neuen Heizung einen bestimmten Mindestanteil erneuerbarer Energien zu erfüllen, besteht danach nicht mehr in der bisherigen Form. Auch eine automatische Austauschpflicht für Heizkessel allein aufgrund ihres Alters existiert nicht. Welche konkreten Anforderungen im Einzelfall gelten, hängt von der individuellen Situation ab und sollte mit einem Energieberater oder Fachbetrieb geklärt werden.
Sowohl Solarthermie als auch Photovoltaik können unter bestimmten Voraussetzungen bezuschusst werden. Die genauen Förderbedingungen, Antragswege und Fördersätze legen BAFA und KfW fest und passen diese regelmäßig an. Ein Rechtsanspruch auf eine Förderung besteht grundsätzlich nicht, zudem ändern sich Programme und Konditionen immer wieder. Informieren Sie sich daher vor der Entscheidung über die aktuell gültigen Bedingungen bei BAFA und KfW oder lassen Sie sich von einem Energieberater zu den Fördermöglichkeiten beraten.
Welche Lösung passt zu welchem Haus?
In einem Altbau mit bestehender Öl- oder Gasheizung und hohem Warmwasserbedarf kann Solarthermie eine sinnvolle Ergänzung sein, insbesondere wenn die Heizung noch länger genutzt werden soll und kein vollständiger Umstieg auf ein elektrisches Heizsystem geplant ist. Photovoltaik eignet sich dagegen besonders gut für Haushalte, die bereits eine Wärmepumpe betreiben oder ein Elektroauto laden, da hier der selbst erzeugte Strom direkt sinnvoll genutzt werden kann.
Bei einem Neubau, der ohnehin auf eine elektrische Wärmeerzeugung setzt, spricht vieles für Photovoltaik, da sie den Strombedarf der Wärmepumpe teilweise deckt und zusätzlich den Haushaltsstrom abdeckt. Lässt sich die Dachfläche gut aufteilen und ist sowohl ein spürbarer Warmwasserbedarf als auch ein hoher Strombedarf vorhanden, kann die Kombination beider Systeme die wirtschaftlichste und ökologisch sinnvollste Lösung sein. Eine pauschale Antwort gibt es nicht, jedes Gebäude und jedes Nutzerverhalten ist unterschiedlich.
Fazit
Solarthermie und Photovoltaik lösen unterschiedliche Aufgaben: Wärme auf der einen, Strom auf der anderen Seite. Welche Technologie oder welche Kombination für Ihr Haus sinnvoll ist, hängt von Dachfläche, Ausrichtung, bestehender Heiztechnik und Ihrem Verbrauchsverhalten ab. Holen Sie vor einer Entscheidung mehrere Angebote von Fachbetrieben ein, lassen Sie sich zu aktuellen Fördermöglichkeiten bei BAFA und KfW beraten und prüfen Sie, welche Lösung tatsächlich zu Ihrem Energiebedarf passt.
Weiterführende Links
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Häufige Fragen
Lassen sich Solarthermie und Photovoltaik auf demselben Dach kombinieren?
Ja, bei ausreichend großer und gut ausgerichteter Dachfläche ist eine Kombination technisch möglich. Dabei wird ein Teil der Fläche für Kollektoren und der Rest für PV-Module genutzt. Ein Fachbetrieb prüft vorab Statik, Ausrichtung und Verschattung, um die Flächenaufteilung sinnvoll zu planen.
Welche Technik amortisiert sich schneller, Solarthermie oder Photovoltaik?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten, da Strompreise, Heizkosten, Eigenverbrauchsquote und individuelles Verbrauchsverhalten eine Rolle spielen. Haushalte mit hohem Stromverbrauch tagsüber profitieren oft stärker von Photovoltaik, Haushalte mit teurer Öl- oder Gasheizung eher von Solarthermie. Eine verlässliche Einschätzung liefert nur eine individuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung anhand eines konkreten Angebots.
Muss ich 2026 eine alte Heizung aus Altersgründen austauschen?
Nein, seit dem 29. Juli 2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz, das keine automatische Austauschpflicht allein aufgrund des Alters einer Heizung vorsieht. Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, hängt von der konkreten Situation ab. Lassen Sie sich hierzu von einem Energieberater oder Fachbetrieb beraten.